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Wurde uns durch „Ehrenpflegas“ die Ehre genommen?

Was sagen eigentlich echte Pflegefachkräfte zur neuen Miniserie „Ehrenpflega”?

Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare oder schickt mir eine E-Mail.

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Da hat sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter der Leitung von Franziska Giffey ganz schön blamiert, bei dem Versuch junge Menschen durch die YouTube Serie für die Pflege zu begeistern.
Aber nicht nur sich, sondern eben auch alle, die tagtäglich in der Pflege arbeiten.
Wieso?
Ich arbeite seit 16 Jahren in der Pflege, habe meine Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen und durchlief viele Bereiche der Pflege.
Die Zeiten in denen Pflegefachpersonen noch nicht an allen Ecken und Enden fehlten kenne ich – doch diese Zeiten sind lang vorbei.
Ich weiß woran es der Pflege fehlt und mir ist auch klar was viele meiner Kollegen bis jetzt und darüber hinaus tagtäglich leisten – denn ich arbeite in der Pflege.
Deshalb ist es mir wichtig, als Pflegefachperson Stellung zu nehmen.

Durch mein Studium ist mir bewusst geworden was es bedeutet und mit welcher Verantwortung es einhergeht, der Pflege ein würdiges und angesehenes Image zu verpassen – welches sie verdient hat.
Die hart erkämpfte Professionalisierung durch die eigenen Pflegewissenschaften macht Frau Giffey mit 700.000 Euro, denn so viel kostete diese Imagekampagne, durch ihren „coolen Lösungsansatz“ kaputt.
Mit einem Wimpernschlag, der falschen Strategie, gepaart mit einem vollkommen verdrehten Berufsbild ist es der Politik mal wieder gelungen – was die Pflege, da es die Politik bislang nicht schaffte, selbst in die Hand genommen hat – durch das erzwungene und verzerrte Bild, „der Pflege fehle Coolheit“, zu untergraben.
Ich weiß in solchen Momenten nicht ob ich lachen oder weinen soll – aber ich weiß diese Kampagne verunglimpft die Professionalität der Pflege.
Ich möchte mich von diesem Bildmaterial entschieden distanzieren und klar stellen, dass weder die Ausbildung noch die Berufstätigkeit in der Pflege so abläuft.
Wo ist das gelebte und selbstverständliche Credo der Pflegefachpersonen in dieser Miniserie, welches ich in meinem Alltag erlebe und weshalb sich Menschen bewusst für diese Ausbildung entscheiden, geblieben?

  • Von der Geburt bis zum Sterbebett – in allen Phasen menschlichen Lebens spielt Pflege eine zentrale Rolle
  • Die Arbeit in der Pflege erfordert viel Fachkompetenz, Erfahrung und Evidenz, Weitsicht, Souveränität und Kommunikation, aber auch Empathie und Engagement
  • Für Pflegequalität stehen Pflegefachpersonen – denn sie sind maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt
  • Pflegefachpersonen können aufgrund ihrer ausgeprägten Empathie, zwischenmenschliche Situationen – welche sich andauernd in unserer aller Alltag abspielen – blitzschnell analysieren und sich entsprechende empathische Entscheidungen treffen
  • Alle Pflegefachpersonen sind automatisch Führungskräfte, denn sie steuern und lenken Pflegeprozesse in Eigenverantwortung und kommunizieren diese Strategie an ihre Patienten/Klienten/Bewohner
  • Die vorbehaltenen Tätigkeiten der Pflege traten am 01.01.2020 in Kraft (Pflegeberufegesetz)
  • Pflegefachpersonen sind mit ihrer Leistung ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Gesundheitssystem.
  • Die Pflege arbeitet professionell und besitzt ihre eigenen Pflegewissenschaften.
  • Managementkompetenzen bringt jede Pflegefachperson mit – denn der PDCA Zyklus wird in jeder Pflegeplanung angewendet.

Aber vielleicht war es einfach nur der falsche Antrieb von Frau Giffey und sie vergaß aufgrund ihres politischen Credo („den Brennpunktbezirk Neukölln, den sie als Herausforderung ansieht, in die Pflege zu integrieren“), dass Pflege ein hoch professioneller Beruf ist, der Entscheidungen auf Grundlage wissenschaftlicher Fakten trifft und daraus ableitende Spitzenleistungen ermöglicht. Denn jede Fehlentscheidung kann verheerende Folgen, wie den Tod, nach sich ziehen.

Ich habe mich mit 29 Jahren entschieden, in die Politik zu gehen.
Ganz bewusst wollte ich das im Berliner Brennpunktbezirk Neukölln.
Denn dort ballen sich die sozialen Problemlagen und die Herausforderungen einer interkulturellen Großstadt.

Franziska Giffey
Website von Frau Giffey

Wieso ändert unsere Politik nicht etwas an den Bedingungen? Denn dann würde der Beruf automatisch attraktiv werden!

  • Gelebte Wertschätzung gegenüber unserem Pflegeberuf – denn wie heißt es so schön liebe Politiker „Führen durch Vorbild“
  • Überstunden durch zunehmende Ökonomisierung auch in de Pflege
  • Kaum geregelte Pausenzeiten
  • Schichtsystem (Wochenende, Nachtdienste, Früh- und Spätdienste, sowie Feiertage und dies im stetigen Wechsel)
  • Frühdienst bedeutet 06:00 Uhr Dienstbeginn – wohin mit dem Kind?
  • Geringe Vergütung
  • Urlaubsplanung bereits Anfang des Jahres
  • Krank sein als Mitarbeiter bedeutet in diesem Sektor weiter zu arbeiten, sonst lässt man die Kollegin und die Patienten im Stich
  • Hohe psychische und physische Arbeitsbelastung
  • Wachsender Servicegedanke und Anspruchsdenken bei den Patienten
  • ….

Wer soll uns denn unseren Beruf aufbauen, wenn wir es nicht selbst tun! Wir haben gar kein Recht zu verlangen, dass andere das tun.

Agnes Karl

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