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Schwester unbequem – ein Regressfall der einen zum Nachdenken bewegt

Der Fall Anni

Schwester unbequem – vielleicht zu Recht mein Spitzname – in meinem Beruf als Führungskraft habe ich auch mit dem unschönen Thema Regressfälle zu tun.

Diese „Fälle“ landen nicht einfach auf deinem Tisch – diese Fälle wie sie so schön in der Juristerei genannt werden – hinter diesen Fällen steckt ein Menschenleben.
Ich erinner mich an meinen ersten Fall den ich in meinem Pflegemanagement Praktikum „bearbeitete“.
Nennen wir die Seniorin Anni – der Fall Anni – der mich abends auf dem Sofa vor dem Fernseh weiter beschäftigt & nachts nicht schlafen lässt.
Anni hatte einen Schlaganfall und der führte zu einem Seniorenheimaufenthalt.
Schlaganfälle gehen oft mit einer Dysphagie (Schluckstörungen) und Hemiparese (Halbseitenlähmung) einher.
Anni bekommt also passierte Kost und das Essen was nicht passt wird durch Dickungspulver passend gemacht.
Es sollte also die Tomatensuppe sein, die über Annis Leben einen dicken grauen Schleier legen sollte, denn nach dieser Tomatensuppe sollte für die Seniorin nichts mehr so sein wie es mal war.
Anni liegt viel im Bett, sitzen ist wegen Ihrem Dekubitus (Hautdefekt) am Steiß nur noch bedingt möglich.
Liegend im Bett rollt der Löffel mit der roten Tomatensuppe auf Ihren Mund zu.
Die Suppe ist heiß, sehr sehr heiß und Anni kann sich nicht äußern, räuspern und auch nicht ausspucken! Anni kann nichts kaltes vom Tisch nehmen und nachtrinken. Anni ist auf Hilfe und Fürsorge angewiesen – Anni muss vertrauen.
Annis Speiseröhre ist nach diesem Mittagessen verbrannt, sowie ihre Mundhöhle und Ihr Vertrauen!

Was würdest du tun? Ist dieser „Regressfall“ nicht gerechtfertigt?
Ist es ethisch noch vertretbar diesen „Regressfall“ als Einrichtung zu bestreiten?

Sagt mir eure Meinung – Sabrina – Führungskraft mit ❤️

3 Antworten auf „Schwester unbequem – ein Regressfall der einen zum Nachdenken bewegt“

Ich glaube ja, dass es so einfach nicht ist, mit dem „Kann man denn da nicht aufpassen?“…
Natürlich, man kann aufpassen und man muss aufpassen! Definitiv.
Doch wie „fit“ ist man nach 8, 10, 12 oder gar 14 Diensten am Stück mit viel zu wenig Personal für viel zu viele hilfebedürftige Menschen?
Wie konzentriert kann man seiner Arbeit noch nachgehen, wenn man wegen konsequenter Überbelastung schon lange auf dem Zahnfleisch kriecht??
Ja, es gibt das Mittel der Überlastungsanzeige, das ist bekannt.
Ist auch bekannt, dass man damit seinen Job riskiert, auch wenn der Gesetzgeber etwas anderes vorsieht?
Wie schaut es denn aus, wenn man seinem Arbeitgeber mitteilt, dass man sich überlastet fühlt?
Meine ehemalige Chefin hört sich das zwar an, aber ignoriert es stetig. Und um das „ignorieren“ noch zu toppen, wird das Frei gleich mal reduziert, NATÜRLICH NUR, weil es gerade überhaupt nicht anders möglich ist und weil „wir alle uns gegenseitig unterstützen müssen, da wir ja einen Versorgungsauftrag haben. Wenn wir nicht solidarisch miteinander arbeiten, muss der Laden dicht gemacht werden und dann hat eben keiner mehr einen Job.“
Ich höre förmlich, wie da draußen nun einige behaupten, das sei ja wohl eher die Ausnahme… Leider nein. Meinen Erfahrungen nach ist diese „erpressende moralische Vergewaltigung“ eher der Standard.
Ich habe sehr viele Pflegekräfte mit großem, warmen Herzen kennengelernt. Diese Pflegenden sind engagiert, empathisch, zugewandt, respektvoll UND PROFFESSSIONELL. Das Problem sind weniger die Mitarbeiter an sich, als viel mehr diejenigen, die aus den Hilfebedürftigen Gelddruckmaschinen machen!
Ich stelle mal die Frage in den Raum: welcher gesunde Mensch es morgens, sich binnen maximal(!) 25 Minuten zu baden inklusive Haare waschen & trocknen. Ich habe da so meine Probleme und ich halte mich durchaus für körperlich fit. Und nun stelle man sich das mal bei einem Tetraplegiker vor oder bei einer Person mit Demenz und herausforderndem Verhalten oder „einfach nur“ Phobien…
Langer Rede, kurzer Sinn:
Es ist ein furchtbares Drama, was der „Anni“ geschehen ist und es tut mir unendlich leid!!!
Doch um mir ein Bild machen zu können, was da passiert ist, weiß ich zu wenig. Ich vermute, dass es eine schreckliche und grausame Verkettung von furchtbaren Umständen war, die dieser Dame so viel Leid zufügte. Aber war die Pflegekraft tatsächlich „schuld“?
Wenn ich einen Wusch frei hätte, wünschte ich mir, dass die Betreuung und Versorgung unser alten und hilfebedürftigen Menschen aus den Händen der Privatwirtschaft genommen würde! Aus meiner Sicht ist alles, was mit Menschen zu tun hat, egal wie groß oder klein, wie alt oder jung, STAATLICHE AUFGABE!
Pflege, Medizin, Bildung sollte sich niemals am Gewinn orientieren dürfen! Dann wird es nämlich unmenschlich und jeder, der sich umschaut, kann das klar und deutlich erkennen!
Hut ab vor den Angehörigen, die sich, meist ohne adäquate Ausbildung (und Bezahlung!) der Pflege ihrer Lieben widmen! Hut ab!
Doch wie wird es ihnen gedankt, dass sie sich um die Menschen kümmern, die Deutschland zu dem gemacht haben, was es bis vor dem zweiten „Log down light“ war und nun einfach alt und krank geworden sind. Aber diese „alt und krank werden“ steht uns allen bevor!!! Das ist der natürliche Lauf des Lebens.
Wir haben kinderlose Politiker „am Start“, die über die Zukunft unserer Kinder entscheiden. Wir haben „Schreibtischtäter“ in der Politik, die noch nie etwas praktisches mit ihren Händen gearbeitet haben. Wir haben Politiker, die sich keine Sorgen um ihr Alter und ihre Gesundheit machen brauchen, weil sie so viel Geld bekommen, dass sie dann, wenn es so weit ist, eine private Pflegekraft bezahlen können!
Diese Politiker haben es doch nicht wirklich nötig, zu schauen, ob das, was sie entscheiden, funktioniert und niemandem schadet. Traurig, sehr traurig…
„Anni“ ist ein bedauerlicher Weise das, was man „Kollateralschaden“ nennt und zahlt persönlich den höchsten Preis in diesem ganzen Konglomerat von Verquickungen und Fehlentscheidungen…

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